Sugarplum Fairy
Über Mathe, Mädchen und Musik
Im Herbst 2008 statteten 5 mitteljunge, schwedische Musiker unserem deutschen Lande einen guten Haufen Besuche ab – im Rahmen der Promotour zum 3. Studioalbum: The wild one.
Ihre Reise führte sie unter anderem zum zweiten Mal schon ins Kulturkombinat Kamp in Bielefeld, wo wir bereits mit gezückten Diktiergerät warteten, um exklusive Fragen zum Album zu stellen und was wir sonst noch wissen wollten. Vorweg: Die Bremswegfrage haben sie gnadenlos vergeigt. Obwohl, ihre Antwort 8m solle auch nur für ihren Bus gelten. Vielleicht haben sie ja einen Wunderbus, der 32 m schneller bremst als normal : )

Sugarplum Fairy (c) Katarina Hedman
Was ist euer Lieblingssong vom neuen Album?
Carl: Mmh, vielleicht der erste und der letzte Song. Und die dazwischen. Man kann sich da nicht so festlegen.
Jonas: Das ist schwer zu sagen.
Carl: Da wir die Lieder geschrieben haben, finden wir alle Lieder gut.
Das Album scheint mehr poppig und weniger rockig als die beiden Vorgänger. Stimmt ihr dazu?
Carl: Nein, denn wir waren nie eine Rockband.
Die Leute haben eine falsche Definition von Rock. Wenn man Rock hören will, dann kauft man sich Aerosmith- oder AC/DC-Alben. Das kann man tun, aber wir machen nicht diese Art von Musik.Wenn man Rockmusik an der Anzahl elektrischer Gitarren definiert, dann hört man aus dem falschen Grund Musik. Es geht um die Songs, nicht um den „Rockgehalt“ sozusagen. Ich glaube sogar dieses Album ist “rockiger” als die anderen beiden.Wenn man sich Young and Armed (Debut von 2004, Anm.d.Red.) anhört, dann ist da nur Godfever etwas rockig. Ja, das ist wohl der einzige Rocksong, den wir je geschrieben haben.
Jonas: Jeder Song von uns ist ein Popsong, wir performen sie nur etwas anders.
Ihr habt ja mit 13 Jahren schon einige Lieder geschrieben, die ihr immer noch spielt. Werdet ihr immer noch in der Lage sein, solche Lieder zu schreiben, wenn ihr älter werdet?
Carl: Wahrscheinlich nicht. Vielleicht doch, aber die Musik wird sich ändern. Sie wird dann eben mehr für Erwachsene sein, weil wir dann auch erwachsen sind.
Sollte man in höherem Alter immer noch viel touren, so wie die Rolling Stones?
Carl: Sie sollten jetzt nicht aufhören, weil sie ja noch Geld damit verdienen. Ein Mechaniker hört doch auch nicht mit 30 auf, wenn er doch noch arbeiten kann. Die Stones machen 300 Millionen € auf einer Tour, und wenn es ihnen obendrein noch Spaß macht…
Und du denkst, es ist der richtige Grund, Musik nur des Geldes wegen zu machen?
Carl: Ja, wenn man die Songs noch spielen kann, und das Publikum sowie man selbst Spaß dabei hat. Die Stones haben, als sie anfingen, ja auch nicht für das Geld gespielt. Jetzt ist das wohl so, aber das ist okay.
Ihr habt aber nicht des Geldes wegen angefangen mit der Band, oder?
Carl: Nein, sonst wären wir Techniker oder Doktoren oder so was.
Was wäret ihr wohl, wenn das Musikersein nicht geklappt hätte?
Carl: Ich weiß nicht, wir wollten nie Arbeiter sein. Aber wir waren alle in der Schule und hätten was anderes werden können. Aber das mit der Band hat so früh angefangen, das hat sich dann mehr so ergeben.
Jonas: Ja, es war selbstverständlich, dass wir dann nur noch in der Band gespielt haben. Wenn wir jetzt damit aufhören würden, würden wir wohl wieder in die Schule gehen und dann was anderes arbeiten.
Was waren eure Lieblingsfächer?
Carl: Meine Lieblingfächer waren Mathe und Geschichte.Geschichtskenntnisse sind sehr wichtig. Und in Mathe zeigt sich, wie schlau man ist, weil es das logischste Fach ist.
Es heißt, ein Motivationsgrund für die Band waren die kreischenden Fans in “a hard days night” von dern Beatles. Jetzt kommen ja auch überwiegend Mädchen zu euren Konzerten. Was sagt ihr dazu?
Carl: Mädchen sind einfach schlauer als Jungs, wenn sie herkommen. Aber ich sehe auch mehr und mehr Jungs zu den Konzerten kommen. Früher, mit 14, fanden wir die Idee tatsächlich gut, aber jetzt fänden wir es eher erschreckend.
Jonas: Ich wäre beängstigt, wenn die Mädchen uns verfolgen würden. Das wäre zum Beispiel ein Grund für mich, die Band zu verlassen. Das würde wirklich zu weit gehen.
Carl: Ich weiß nicht, warum so viel Mädchen kommen. Wenn ich ein Mann wäre und SPF irgendwo spielen, würde ich hingehen, gerade WEIL da so viele Mädchen sind, und nicht zu Motörhead, wo nur Männer sind.
Wollt ihr irgendwo unbedingt mal spielen, bei einem Riesenkonzert wie Live Aid zum Beispiel?
Carl: Wir würden zu Live Aid nicht nein sagen, aber es geht sonst nicht darum, wo man spielt.
Jonas: Superbowl wäre cool : )
Carl: Man kann ja aus verschieden Gründen heraus Musik machen, und
Wir spielen nicht aus politischer Motivation heraus. Ich glaube nicht, dass Musik da viel bewirken kann…
… außer Spendengelder einzutreiben. Außerdem man muss sehr groß sein. Keiner würde auf Bono von U2 hören, wenn sie nicht so groß wären. Er ist so reich, er kann gut helfen. Musik und Politik müssen meiner Meinung nach nicht unbedingt Hand in Hand gehen. Die Musik an sich ist das Wichtigste.
Könnt ihr das Gefühl beschreiben, wenn alle Leute auswendig mit euren Songs mitsingen?
Carl: Unglaublich ist das. Ich könnte das gar nicht. Die sind bestimmt alle gut in Mathe. Wir möchten ja auch, dass alle mitsingen können und gestalten die Lieder ent-sprechend. Deshalb stellen wir auch den Gesang immer stark in den Vordegrund.
Ihr gebt ja öfter mal Signingsessions mit Akustikkonzerten in Plattenläden, welche Ideen stecken dahinter? Ist das eure Initiative?
Carl: Ja, solche Konzerte sind immer unsere Idee.
Wir wollen den Kontakt zu den Fans pflegen.
Außerdem gibt es in Schweden zum Beispiel in den meisten Clubs eine Altersgrenze. Fans unter 18 hätten ohne diese Sessions gar keine Chance, uns live zu sehen.
Was macht ihr on the road?
Carl: Wir spielen so ein schwedisches Ballspiel und Streethockey.
Jonas: Und wir gucken Videos auf Youtube.
Carl: Langweilig ist es jedenfalls nicht, wir freuen uns immer auf die Shows. Das ist wie Weihnachten. Wir freuen uns auch immer auf das Publikum, wir wissen ja nicht, wie es so ist. Sie ahnen ja nicht, dass wir es auch beobachten. Als würden sie ein Konzert für uns geben.
Ich dachte immer, bei dem hellen Scheinwerferlicht könnte man das Publikum meistens gar nicht genau sehen.
Jonas: Doch, wir können jeden einzelnen sehen. Und wir beobachten sie genau.
Carl: Wenn sich jemand falsch benimmt, könnte man ihn ausperren. Aber das ist noch nie passiert.
Jonas: Wir würden es aber machen, Randalierer sollen die Konzerte nicht stören.
Welches Konzert war euer bisheriges Lieblingskonzert?
Carl: Die letzten 3. Mit den neuen Songs macht es viel, viel Spaß.
Jonas: Die Konzerte gestern und vorgestern waren sehr gut. Genauso alle davor…
Und das Konzert am Tag des Interviews war auch sehr gut. Sagen wir jedenfalls. Verwunderlich war zwar, dass die Besucheranzahl unter 200 blieb, nicht aber dass die Band trotzdem eine super Show gab. Und als dann alle bei “Klassikern” wie ‘Sail beyond doubt’ und ‘Sweet Jackie’ mitgesungen haben, bekamen mit Sicherheit alle Anwesenden eine Gänsehaut.
Nach 2 Zugaben war das Konzert viel zu früh zu ende, aber man soll ja auch aufhören, wenn es am Schönsten ist.
Nicht zu verachten war auch die Vorband Sahara Hotnights (SWE); 4 junge Damen in stylischen Kleidern und mit so hohen Hacken, dass das Schlagzeugspielen unmöglich scheint. Sugarplum Fairy - Gutfinder mögen auch Sahara Hotnights!
Sahara Hotnights
Sugarplum Fairy